Bild: STS 2030
Dorothee Lötscher ist die neue Geschäftsführerin von Sustainable Textiles Switzerland. Bisher hat sie in verschiedenen Rollen Projekte zur Förderung nachhaltiger Wertschöpfungsketten und Marktsysteme begleitet, eine globale Multi-Stakeholder-Plattform mitaufgebaut und Organisationen geführt. Jetzt bringt sie all das in den Schweizer Textilsektor ein.
Dorothee, du hast in verschiedenen Ländern wie Kamerun, Nepal und Haiti gearbeitet. Wie kommt man von dort zu einem Schweizer Textilverein?
Der Weg ist weniger weit, als er klingt. Nachhaltige Wertschöpfungsketten haben mich schon früh fasziniert – bereits während meines Geografiestudiums. Einen ersten Einblick in die Förderung nachhaltiger Märkte habe ich beim WWF bekommen. Während meiner ersten Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit bei der GIZ in Kamerun wurde mir die Notwendigkeit einer Wertschöpfungsketten- und Marktperspektive klar bewusst. Aus diesem Grund habe ich den Wertschöpfungskettenansatz später als Thema meiner Masterarbeit am NADEL der ETH Zürich gewählt.
Bei GFRAS habe ich von 2010 bis 2014 zum ersten Mal eine globale Multi-Stakeholder-Plattform mitaufgebaut und erlebt, was möglich wird, wenn man verschiedene Sektoren wirklich zusammenbringt. Anschliessend habe ich das bei der DEZA zehn Jahre lang in der Praxis vertieft – in Haiti und Nepal und für das Horn von Afrika, aber auch konzeptionell als Mitglied des thematischen Kernteams zu Wirtschaftsentwicklung. Ab 2020 habe ich mich vertieft mit Unternehmensnachhaltigkeit befasst und 2021 mein Diploma-Studium in Business Sustainability abgeschlossen. Zuletzt habe ich als Direktorin der Pakka Foundation die Entwicklung nachhaltiger Nuss- und Trockenfrucht-Wertschöpfungsketten vorangetrieben.
Jetzt setze ich das Gelernte im Schweizer Textilsektor ein. Auch hier geht es darum, wer mitspielt, wer Verantwortung übernimmt – und wie man eine ganze Branche bewegt.
Weshalb engagierst du dich für STS?
Textilien sind in unserem Leben allgegenwärtig. Ich schätze Ästhetik sehr und mag es, schöne Stoffe auf der Haut zu spüren. Es macht mir Freude, in einem Sektor zu arbeiten, der im Alltag aller Menschen eine Rolle spielt.
Beruflich finde ich es spannend, die Sichtweisen der unterschiedlichen AkteurInnen zu verstehen und für gemeinsame Lösungen zusammenzubringen, das grosse System eines Sektors zu erfassen und die relevanten Herausforderungen zu priorisieren. In meiner Laufbahn konnte ich mich sowohl konzeptionell als auch praktisch mit diesen Themen befassen und ich freue mich, in meiner neuen Aufgabe auf mein Fachwissen zurückgreifen zu können.
Schliesslich bietet mir die Rolle als Geschäftsführerin die Möglichkeit, eine Organisation aufzubauen, ihre Verankerung in den verschiedenen Sektoren sicherzustellen und ihre Mitglieder ins Zentrum des Engagements zu stellen. Diese Aufgabe ist herausfordernd und ich habe Respekt vor ihr. Gleichzeitig bereitet es mir Freude, Neues zu schaffen, zu gestalten und Aufgaben anzugehen. Ich freue mich darauf, wenn wir in einigen Jahren gemeinsam auf das Erreichte zurückblicken und stolz sein können, was wir aufgebaut haben.
Wo siehst du das grösste Potenzial für STS?
Der Textilsektor braucht eine Organisation, die wichtige Themen wie gerechte Löhne, Klimawandel, Kreislaufwirtschaft und Transparenz gemeinsam angeht. Genau das ist STS: ein Verein, in dem sich Mitglieder aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und der öffentlichen Hand für Nachhaltigkeit engagieren.
Das grösste Potenzial liegt für mich in den Mitgliedern selbst. Sie bringen Fachwissen, technische Kapazitäten und Innovationsgeist mit. Ein konkretes Beispiel ist der Aufbau eines kreislaufbasierten Textilsektors: Das gelingt nur, wenn unterschiedlichste AkteurInnen im Zusammenspiel neue Lösungen entwickeln. STS kann genau diesen Rahmen schaffen, Kräfte bündeln und den Austausch ermöglichen. Das ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich von Bedeutung.
Herzliche willkommen, Dorothee!
